9 7 6 1 - Zahlen, die die Welt bedeuten

Alle 3 Jahre finden in Innsbruck die internationalen Wertungsspiele für Akkordeon- und Mundharmonikamusik statt. In diesem Jahr war es endlich wieder so weit und über 10.000 Musiker und Musikerinnen aus mehr als 20 Ländern der Welt (u. a. USA, Spanien, Russland, Neuseeland, Italien, Niederlande und natürlich Deutschland) trafen sich vom 17. bis 20 Mai 2007 im Kongreßzentrum in Innsbruck zu dieser 9.Weltmeisterschaft.

Seit über einem Jahr fieberten die Spieler und Spielerinnen des HC Jettingen diesem Highlight entgegen. In diesem zurückliegenden Jahr stand neben den verschiedenen Konzerten das Hauptaugenmerk auf dieser Weltmeisterschaft. Das 1. Orchester trat mit dem Stück "Variationen für Akkordeonorchester" von Rudolf Würthner an, um sich in der höchsten Kategorie, der "Erwachsene Höchststufe" mit den großen Orchestern der Welt zu messen. Das Jugendorchester setzte sich aus Spieler/innen des HC Jettingen und des Akkordeonclub Hechingen zusammen und trat in der Kategorie "Jugendorchester Mittelstufe" mit der "Kleine Summerei" von Adolf Götz an. Als drittes Orchester machte das Hauptorchester Hechingen die Reisegruppe komplett und so fuhren die Spieler/innen am Donnerstag den 17. Mai unter der Leitung von Ulrich Münnich, nach Innsbruck.

Gegen 8 Uhr am Donnerstagmorgen wurden 2 Busse bepackt und nachdem in Hechingen die restlichen Teilnehmer zustiegen ging es endlich los. Am späten Nachmittag erreichten die Musiker/innen Aldrans (einem 3 km von Innsbruck entfernten Dorf) und bezogen die verschiedenen Pensionen und den zur Verfügung gestellten Proberaum. Nach dem Abendessen fanden dann die ersten Proben der einzelnen Orchester statt.

Der nächste Morgen gestaltete sich ähnlich wie der Abend zuvor und die Spieler/innen traten erneut zu den Proben an. Das 1. Orchester Jettingen und das Jugendorchester erhielten Unterstützung durch zwei Schlagzeuger des Konservatoriums in Innsbruck, um die beiden Wertungsspielstücke auch mit dem nötigen Schlagwerk zu komplettieren. Durch die beiden Schlagzeugprofis, waren die Orchester noch motivierter und schon in den Proben zeichnete sich eine vielversprechende Akkordeon-Weltmeisterschaftsteilnahme ab. An diesem Freitag musste dann nach 45-minütiger Verzögerung das Jugendorchester zeigen was es konnte. Im Saal "Brüssel" durften sie nun ihr Wertungsstück in der Mittelstufe präsentieren. Aufgeregt, aber sich ihres Könnens bewusst, machten sie sich auf den Weg zur Bühne, um vor den drei Jurymitgliedern und dem Publikum zu bestehen. Sie konnten ihr Stück in den schönsten musikalischen Farben aufführen und setzten die Meßlatte für die Konkurrenz sehr hoch. Nachdem dieser erste Auftritt vorüber war, fiel die erst Anspannung kurzzeitig auch bei den restlichen Spielern ab. Auch die Panne eines Busses und die damit verbunden Verspätung zum Abendessen konnten niemand aus der Ruhe bringen. Eigentlich war an diesem Abend der Besuch des Gala-Konzertes geplant. Aufgrund der "Buspanne", kam ein Teil der Reisegruppe erst zur Pause an und der andere Teil blieb direkt in den Pensionen, um sich in Ruhe auf den Auftritt am nächsten Morgen vorzubereiten.

Samstagmorgens war es dann soweit. Um 5.30 Uhr klingelte der Wecker und nach dem Frühstück um 6 Uhr fuhren alle Spieler/innen samt Fanclub gemeinsam nach Innsbruck ins Kongreßzentrum. Das 1. Orchester war an diesem Morgen das erste auftretende Orchester in seiner Kategorie und so konnte es sich in Ruhe auf die Bühne und die besondere Atmosphäre des Saals einstellen. Schon allein der Anblick des Saal Innsbruck, in dem der Auftritt statt fand, war gigantisch. Dieser größte Saal des Kongreßzentrums Innsbruck hat Platz für 1500 Zuschauer und allein diese Dimensionen erweckte Begeisterung und Erfurcht zugleich. Die Nervosität nahm immer mehr zu und das Knistern in der Luft war auch für die Zuhörer spürbar. Das Orchester konzentrierte sich noch einmal auf seine Stärken und betrat unter dem Applaus der zahlreichen Zuhörer die Bühne. Nur noch 33 andere Orchester hatten sich für die Teilnahme in der Höchststufe entschieden und mussten sich ebenfalls vor der 5-köpfigen internationalen Jury beweisen. Der Dirigent Ulrich Münnich sprach allen Mut zu und trieb die Spieler/innen nicht zuletzt durch das in sie gesetzte Vertrauen, zu Höchstleistungen an. Mit den ersten gelungenen Takten verschwand die Aufregung und alle waren ganz in der Darbietung des Stücks gefangen. Der Auftritt endete mit riesigem Applaus und großer Erleichterung.

Es war geschafft. Ein Jahr intensiver Probearbeit, Sonderproben, Probewochenende u.s.w. lag hinter den Spielern/innen und sie setzten ihr musikalisches Können zum richtigen Zeitpunkt um! Natürlich wurden auch andere Orchester in den verschiedenen Kategorien angehört und die Faszination der vielen Eindrücke wird den Teilnehmern und den mitgereisten Fans noch lange in Erinnerung bleiben. Am gleichen Tag hatte schließlich auch noch das Hauptorchester Hechingen seinen Auftritt in der Kategorie Oberstufe Erwachsene. Mit den Stücken "Presto" (aus Sinfonietta) von W. Bloch und dem "Florentinischen Konzert" von G. Mohr stellten auch sie ihr Können unter Beweis und trat gegen die anderen Orchester ihrer Kategorie an. Nachdem alle Wertungsauftritte geschafft waren, feierte die gesamte Reisegruppe erschöpft aber erleichtert die erfolgreiche Teilnahme und ließ den Abend gemeinsam ausklingen.

Sonntags, am letzten Tag der Reise, fanden sich schließlich alle teilnehmenden Musiker/innen in der Olympiahalle von Innsbruck zur Preisverleihung ein. Die Stimmung war gigantisch, die Anspannung der Spieler/innen greifbar. Alle warteten angespannt auf die Bekanntgabe der Noten und die damit erreichte Platzierung. Dabei wurden erst die Solisten, Spielgruppen und Profis verlesen, bis es überhaupt mit den Orchesterbewertungen losging. Schließlich kam der Moderator zur Kategorie "Jugendorchester Mittelstufe" und das Zittern bei den Jugendorchesterspieler/innen begann. Als dann das Ergebnis mit der Bestnote "hervorragend" und dem damit erreichten 6. Platz an das Jugendorchester ging, brachen die ersten Freudentränen aus und die Reihen der Jettinger und Hechinger jubelten. Die Urkunde und den Pokal nahm Dirigent Ulrich Münnich entgegen. Das Hechinger Hauptorchester konnte sich über ein "ausgezeichnet" in der "Erwachsenen Oberstufe" freuen. Doch nun begann die nächste Phase der Anspannung. Die "Erwachsenen Höchststufe" wurde als letzte Kategorie der Weltmeisterschaft verlesen. Und die Spannung bei den Spielern/innen des 1. Orchesters Jettingen, wie auch bei den mitgereisten Fans und Vereinsmitgliedern, war nicht mehr auszuhalten. Wie würde das 1. Orchester abschneiden und wie hatte die Jury die Leistung bewertet? Andere Dirigenten und Orchester hatten die Wahl des Stückes als verrückt erklärt. Nur wenige hatten sich bisher getraut, in Innsbruck mit diesem schweren Stück anzutreten. So lagen die Nerven bei den Spieler/innen blank und kaum einer wagte es mehr zu atmen. Mit jeder Platzierung, die an andere Orchester vergeben wurde, stieg die Spannung an. Als dann die Bestnote "hervorragend" zum ersten Mal bekannt gegeben wurde, brach die erste riesige Jubelwelle los. Als dann auch noch klar war, dass das 1. Orchester es unter die ersten zehn geschafft hatte, gab es kein Halten mehr. Ulrich Münnich nahm schließlich völlig überwältigt die Urkunde mit Pokal für den 7. Platz und der Bestnote "hervorragend" entgegen. Der Jubel, die Freudentränen und die Unfassbarkeit über diese Platzierung überwältigten die Musiker/innen und das Feiern über dieses gigantische Ergebnis fand kein Ende. Nach der Sektdusche, den Siegesgesängen und Freudentänzen wurden die Busse bestiegen, um überglückliche Musiker/innen nach Hause zu bringen. Auch eine weitere Panne eines Busses konnte niemandem mehr etwas anhaben und so trafen alle erschöpft aber freudestrahlend gegen 20 Uhr in Jettingen ein. Der HC Jettingen wird noch lange von diesen hervorragenden Resultaten zehren und ist schon jetzt hochmotiviert, wenn es heißt: Innsbruck 2010!

Der HC Jettingen Akkordeonlehrer Ralf Brendle trat in der Kategorie Spielgruppen "Profi Höchststufe" an und konnte mit dem Ensemble des Hohner-Konservatoriums Trossingen und den Stücken "Toccata op.7" von R. Schumann und "Aesteroiden" von B. Przybylski mit der Bestnote "hervorragend" den ersten Platz belegen. Und komplettierte damit das hervorragende Abschneiden des gesamten Vereins. Herzlichen Glückwunsch!

Gelesen 99132 mal