Bravo-Rufe erfüllen die Martinskirche

Schon morgens, beim Neujahrsempfang im Jettinger Rathaus hatte das Orchester des Harmonika-Clubs "Edelweiß" aufgespielt. Und auch beim Dreikönigskonzert am Abend kredenzten Solisten, Ensemble und Orchester unter der Leitung von Ulrich Münnich ausgesuchte musikalische Häppchen und entließen ihre Zuhörer aufs Beste eingestimmt ins neue Jahr.

Konzertante Highlights quer durch die Musikgeschichte stellten die Akkordeonisten des HC "Edelweiß" Jettingen in der Martinskirche vor. Ein erstes Lächeln auf die Gesichter der Zuhörer in der gut besetzten Martinskirche malte der von Rudolf Würthner bearbeitete Walzer aus der Serenade in G-Dur von Pjotr Tschaikovsky, mit dem das Ensemble (Bettina Böhm, Tobias Pongs, Marion Rauch, Jens Dittus, Ulrich Münnich) einen stimmungsvollen Auftakt zum Konzert gestaltete. Großen Beifall erhielt auch Patrick Sindlinger für sein "Menuett" aus dem Notenbüchlein der Anna Magdalena Bach. Ebenfalls gut gelang ihm das "Cornet Voluntary" des John Travers, dass mit temporeichen Läufen einige Fingerfertigkeit von dem jungen Musiker abverlangte.

Profan und lautstark

Die Werke "Clair de lune" von Claude Debussy und der "Hummelflug" von Rimsky-Korsakov könnten thematisch nicht gegensätzlicher sein. Geht es beim ersten doch um das sanfte Mondlicht der Dichter und Träumer und bei Korsakov um profanes und lautstarkes Hummelgebrumm, das weltabgewandten Träumereien abrupt ein schnödes Ende bereiten kann. In ihrer eindrücklichen Ausgestaltung ergänzten sich diese Kompositionen, mit denen das Ensemble seinen Vortrag fortsetzte und bravourös zu Ende brachte, jedoch ausgezeichnet.

Florian Müller belegte mit seinem Vorspiel beim Landesmusiktag Baden-Württemberg im vergangenen Jahr den zweiten Platz in seiner Kategorie. Und auch in der Martinskirche überzeugte er seine Zuhörer und meisterte die Herausforderungen der spannungsreichen "Sonate in a-Moll" von Domenico Scarlatti und der "Little Toccata" eines Komponisten des 20. Jahrhunderts, des Kanadiers Samuel Dolin.

Wie das Ensemble, so setzte auch das Erste Orchester des Harmonika-Clubs Jettingen erfolgreich auf Kontraste. Alles, was man von einem Orchester hören möchte, ist in der Ouvertüre zu Mozarts letzter Oper "Die Milde des Titus" enthalten aufregende Musik, die erste Teil des "Choral and Rock out" von Ted Huggins besänftigend ablöste, um mit lässigem Fingerschnipsen wieder zum symphonischen Finale zu führen. Ganz anders der beliebte "Bolero" von Maurice Ravel, dessen gleichförmiger Rhythmus und die stets steigende Spannung Durchhaltevermögen von den jungen Musikern des gut besetzten Orchesters abverlangte. Das Publikum wollte noch mehr hören und erklatschte sich eine Zugabe. Ulrich Münnich versteht es hervorragend, Akzente zu setzen. Die ersten Takte des Donauwalzers von Johann Strauß erklangen wie aus weiter Ferne. Die zweite Zugabe erklatschten sich die Zuhörer im Stehen und bekamen die lustige Tritsch-Tratsch-Polka, ebenfalls von Strauß. Bravo-Rufe und großer Beifall erfüllten die Martinskirche.

Bericht Gäubote 08.01.2008

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